Sozialversicherungen 2018: Eine verpasste Chance und kaum Neues

Alters-und Hinterlassenenversicherung (AHV): Renten unverändert

Das Nein bei der Volksabstimmung über die Altersvorsorge 2020 im September 2017 führt dazu, dass eine Zusatzfinanzierung für die AHV und die Revisionen in der AHV sowie in der beruflichen Vorsorge aufgeschoben werden. Die Vorlage hätte die AHV-Renten substantiell erhöht. Somit bleiben die AHV- und IV-Renten auch im Jahr 2018 unverändert. Denn auch in diesem Jahr entfällt die automatische Anpassung der AHV-Renten an die Preis- und Lohnentwicklung. Der Verzicht wird dadurch begründet, dass sich sowohl der Preis- als auch der Lohnindex nur schwach entwickelt haben. Die letzte Erhöhung der Renten erfolgte auf den 1. Januar 2015.

 

Invalidenversicherung (IV): Höherer Intensivpflegezuschlag

Familien, die zu Hause ein schwerkrankes oder schwerbehindertes Kind pflegen, erhalten ab 2018 einen höheren Beitrag der IV.

Stunden Intensivpflege pro Tag

Intensivpflegezuschlag pro Monat

mindestens 4

+470 bis 940 Franken

mindestens 6

+940 bis 1645 Franken

mindestens 8

+1410 bis 2350 Franken

 

Neue Berechnungsmethode des Invaliditätsgrades

Die revidierte Verordnung über die IV wird im Laufe des Jahres 2018 in Kraft treten. Die Berechnungsmethode der IV-Rente («gemischte Methode») wird dabei verbessert. Künftig werden die Folgen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht nur für die Erwerbstätigkeit, sondern in gleicher Gewichtung auch für allgemeine Aufgaben (wie beispielsweise Haushaltsarbeiten usw.) berücksichtigt. Dadurch werden Teilzeiterwerbstätige und insbesondere Frauen weniger diskriminiert. Bisher führte Teilzeiterwerb zu einem niedrigeren Invaliditätsgrad als Vollzeiterwerb.

 

IV-Zusatzfinanzierung läuft aus

Im September 2009 wurde an der Urne eine vorübergehende Anhebung der MWSt um 0,4%-Punkte zugunsten der IV gutgeheissen. Diese Zusatzfinanzierung ist wie vorgesehen per 31.12.2017 ausgelaufen. Ab 2018 gelten somit neue Mehrwertsteuersätze – MwSt-Normalsatz neu: 7,7%.

 

Berufliche Vorsorge: Mindestzinssatz auf historischem Tief

2016 wurde der Mindestzinssatz in der obligatorischen beruflichen Vorsorge auf ein historisches Tiefstniveau von 1% gesenkt. Er bleibt aufgrund der Empfehlung der Eidg. Kommission für die berufliche Vorsorge 2018 unverändert. Das Altersguthaben wird somit weiterhin unterdurchschnittlich verzinst. Grund dafür sind die anhaltend tiefen Zinsen – obwohl Aktien und Immobilien erfreuliche Renditen abwerfen. Der BVG-Mindestzinssatz variierte von 1985 bis 2011 zwischen 2 und 4 Prozent.

 

Hinterlassenen- und Invalidenrenten (BVG) unverändert

Die Hinterlassenen- und Invalidenrenten der obligatorischen beruflichen Vorsorge bleiben 2018 ebenfalls unverändert. Altersrentner/-innen der beruflichen Vorsorge haben keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Teuerungsanpassung ihrer Altersrente. Die Pensionskassen verzichten flächendeckend auf eine Anpassung.

 

Krankenversicherung: Prämien klettern weiter in die Höhe

2018 steigt die Standardprämie der obligatorischen Krankenpflegeversicherung um durchschnittlich 4% (+4,5% im Vorjahr). Für Kinder steigt die Prämie mit 5% erneut am stärksten an. Die Erhöhung variiert je nach Kanton. Seit der Einführung des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung haben sich die Krankenkassenprämien real verdoppelt. 2018 werden Massnahmen zur Dämpfung der Gesundheitskosten vorgestellt. In einem Expertenbericht stellt der Bundesrat bestehende, geplante oder komplett neue Massnahmen zur Kostendämpfung in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung vor. Dieser Expertenbericht wird die gesundheitspolitische Debatte prägen.

 

Reformen 2018: Mögliche Verschärfungen bei den Ergänzungsleistungen (EL)

Die Reform der Ergänzungsleistungen wird das Parlament auch 2018 beschäftigen. Nach dem Ständerat wird nun der Nationalrat über die Reform beraten. In den parlamentarischen Kommissionen sind Abbaumassnahmen mit gravierenden Folgen für Senioren und Menschen mit Behinderung durchgesetzt worden. So soll bei der Rückerstattung der Krankenkassenprämien gespart oder es sollen die Vermögensfreibeträge bei der EL-Berechnung gekürzt werden. Einziger Lichtblick: Die längst fällige Erhöhung der Mietzinsmaxima könnte durchgesetzt werden.

Das Parlament wird sich zudem mit der Weiterentwicklung der IV befassen. Die Botschaft sieht Handlungsbedarf bei Kindern und Jugendlichen mit Gesundheitsproblemen und bei psychisch Kranken. Geplant ist auch die Einführung einer linearen Rentenskala.

Nach der Ablehnung der Reform Altersvorsorge 2020 wird 2018 die Vernehmlassung über eine erneute Revision eröffnet werden. Der Bundesrat plant in einem ersten Schritt die AHV zu revidieren und für eine Zusatzfinanzierung für die AHV zu sorgen. Die berufliche Vorsorge soll in einem zweiten Schritt angegangen werden.

SGB, Doris Bianchi / Gianluca Pardini (Januar 2018)

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